in happy chaotic life

Schön bunt hier – Integration fängt im KiGa an

  • März 2, 2018
  • By Jasmine
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Schön bunt hier – Integration fängt im KiGa an

… wir saßen gestern Abend lümmelig auf dem Sofa und die Kids zeigten uns stolz zwei süße, rot-weiß gestreifte Armbänder, die sie von Daniel aus dem KiGa bekommen haben. Mächtig erwachsen wurden wir aufgeklärt, dass die Bänder, sobald die Zwerge die erste Frühlingsknospe entdecken würden, eben diesen Strauch oder Baum oder was auch immer mit diesem süßen Bändchen schmücken würden. Ein total liebevoller Brauch, um die Natur wieder willkommen zu heißen, wie ich finde. Mein Mann wusste auch gleich wie das Bändchen im „Herkunftsland“ des Brauches, Bulgarien ist es, heißt: Marteniza. Tolle Idee fand ich, lehnte mich zurück und schlürfte, nichts ahnend was nun kommen würde, meinen Tee. Da schaltete sich Abeam ein und bekräftigte die Wissensinfo meines Mannes. „Das stimmt, Papa. Der Daniel und seine Eltern kommen nämlich aus einem fremden Land.“ Pause. Blick zu mir, den ich aus den Augenwinkeln wahrnahm, „genau wie Du, Mama“. „Ja genau wie Mama, oder Papa, oder?“ krähte da der Frederick. Prustend landete mein Schluck Tee auf dem Sofatischchen, ich musste husten und schaute verdattert von meinen Mann zu den Zwergen und wieder zurück. „Wie meinen?“. Die Kinder klärten mich rasch auf. „Alsooo Mama, du bist ja so dunkel und unsere Erzieherin hat gesagt, du kommst aus einem fremden Land“, tönte es da von meiner Tochter. Aha is`mir neu, dachte ich. Dass ich die Diskussion irgendwann mal führen würde, war mir schon klar, aber ich dachte eher, dass ich den ganzen Sachverhalt eher einer von Abeams oder Fredericks Freunden erklären musste. Hey, ich bin gebürtige Bielefelderin, spreche leidlich Englisch und kein Wort der ursprünglichen Sprache meines Vaters. Ich bin so deutsch wie man nur sein kann. Ich bin pünktlich (bevor ich Kinder hatte), hasse Unordnung und liebe Schnitzel.

Tengern schmunzelte vor sich hin, lehnte sich zurück und genoss die sich anbahnende Vorstellung. Aber ich war total verdattert. Erstens überraschte es mich, dass die beiden Miniausgaben von mir überhaupt schon geschnallt hatten, dass ich „dunkler“ als der Durchschnitt bin. Lachen musste ich, als mir klar wurde, sie grenzen sich von mir ab. ICH bin schwarz, sie nicht, in ihren Augen sind sie der totale Normdurchschnitt – und die zwei blickten mich nun lümmelend an und warteten auf die Erklärung.

Aber erstmal mussten mein Mann und ich lachen, lachen, lachen. Dann erklärte mein Mann kurz das Phänomen. Nein, die Mama sei auch aus Deutschland, sogar bei allen sechs Omas und Opas in der Nähe geboren – unweit von dem Ort, wo er selbst geschlüpft sei. Die Mama sehe nur so aus, wie sie eben aussehe, weil eben der Opa aus Afrika käme. Ein Land das ja ganz weit weg sei. Aber das kein Land sei, sondern ein Kontinent schaltete ich mich ein. Diese Verallgemeinerung musste ich wenn schon denn schon sofort klar stellen.

Wir guckten uns ein Bild vom Opa an und erklärten den Zwergen, dass in Deutschland viele, viele unterschiedliche Menschen leben, alle sehen anders aus und einige kommen wirklich aus einem fernen Land, sind aber mittlerweile hier zu Hause. Andere seien aber hier geboren, auch wenn sie anders aussehen. Aber das Wichtigste ist, dass wir alle zusammengehören und dass die bunteste Mischung in einem Land die schönste ist. So wie auf den schönsten, buntesten Kinderbildern.

Dieses Gespräch nehme ich übrigens zum Anlass beim KiGa einmal anzuregen, dass man das Thema dort behandelt. Integration muss auf beiden Seiten statt finden. Bei den Menschen, die kommen UND bei uns hier in Deutschland. Und je eher es in den Köpfen zur Selbstverständlichkeit wird, dass wir nicht mehr ausschließlich weiße Deutsche sind, sondern bunt, offen und tolerant: desto besser!

By Jasmine, März 2, 2018
  • 1
1 Comment
  • Ulf
    März 2, 2018

    Ist aber auch schwierig, wenn gefühlt schon Dachau auf der anderen Hemisphäre liegt.

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