in Das Biest - Leben mit der Krankheit

Streptokokken…wären mir lieber gewesen

  • Februar 28, 2017
  • By Jasmine
  • 1 Comments
Streptokokken…wären mir lieber gewesen

… „und wie haben sie „es“ festgestellt? Den Krebs???????, ist so ziemlich die erste Frage vom inner circle, die kommt, wenn man verkündet: „Hallo, ich bin Jasmine, ich bin 40 Jahre alt…“ und so weiter und so weiter.  Tja, gute Frage und eine etwas längere Geschichte. Ich finde den Punkt, wie der Arsch festgestellt wurde nicht ganz so wichtig, das Umfeld scheint es anders zu sehen. Ich erzähle es hier nur, weil mir eines SUPER wichtig ist: ich habe früh gespürt, dass irgendwas nicht stimmt und wenn ich nicht dran geblieben wäre, die Ärzte genervt hätte: Leute, die Sache wäre / würde sicher anders ausgehen…

Alles fing damit an, dass ich mich super schlapp und ausgepowert fühlte – und das schon etwas längerer Zeit. „Gut“, dachte ich mir, du hast echt vier heftig-schöne Jahre gewuppt. Ein Schreibaby, ein echt enormes Schreibaby, im Job Vollgas gegeben, Baugemeinschaft und irgendwie versucht (recht erfolgreich ;-)) auch das Leben mit Freunden weiterzuführen. Mit dem ganzen Drum und Dran sich verabreden, zu lange auf bleiben, zu früh aufstehen …“ Tja, da kann man auch schon ein wenig alle sein“… Aber irgendwie war es das nicht. Hey!!! Ich habe immerhin zwei Kinder bekommen und hatte ein harten Start mit ihnen, aber die Erschöpfung war zwei Jahre danach einfach nicht vergleichbar.

Ich bin der Meinung, und das ist die einzige, die zählt, dass alles anfing, als Abeam zwei Jahre alt war. Ich bin zu meiner Ärztin, weil es eigentlich egal war, ob ich mich abends ins Bett legte oder nicht, denn ich wachte so alle auf, dass ich es gleich hätte sein lassen können. Soweit so gut, es wurde ein Bluttest gemacht. Ergebnis: ich hatte einen Eisenmangel, nix Ungewöhnliches, wenn man auf der Überholspur unterwegs ist und also kein Wunder, dass ihn Mamas besonders oft haben. Ja, denkt mal drüber nach Väter….. . Nun gut, ich habe eine Eiseninfusion bekommen und laut meiner Ärztin war alles gut, denn der Wert hatte sich stabilisiert. Nur… ich irgendwie nicht. Wenn ich so zurück denke, war ich seitdem immer ein wenig angeschlagen.

… und dann kam der Frederick. Absolutes Glück, weil absolutes Wunschkind. Der Knopf war so putzig mit seinen riesengroßen, braunen Augen. Und er war so glockenwach – genau sein Problem. Fred konnte einfach nicht chillen, sie ist ja auch  sooooooohooo aufregend, die große, weite Welt da draußen. Und musste dann seinen ganzen Frust nach außen brüllen. Ich war alle – A-L-L-E, aber so richtig. Noch einen Arzttermin in eigener Sache einzuschieben, daran war nicht zu denken und irgendwie schafft man es als Mama dann doch den ganzen Zirkus am Laufen zu halten. Allerdings bin ich dann 2016 stutzig geworden, Frederick hatte längst aufgehört zu schreien,  Abeam ist eh ein entspanntes Kindchen und trotzdem ging bei mir gar nichts mehr. Hätte ich mich nicht jeden Mittag mit meinem Sohn hingelegt, ich wäre im Stehen, im Gehen, beim Wickeln eingeschlafen „isch schwöre“ ;-). Eigentlich habe ich ein sehr gutes Verhältnis zu Medizinern, mein allerliebster Papa ist einer der alten Schule. Ich also hin zu meiner Hausärztin, die ich damals sehr geschätzt habe und kam nicht weiter. „Frau Danso, Sie haben zwei Kinder,  sie sind eine gesunde, junge Frau, sie leiden nur an Erschöpfung“. „Hmmmm“, dachte ich mir, das kann es irgendwie nicht sein. In den folgenden Wochen bekam ich mehrfach Streptokokken und eine Gürtelrose… Leute, ich kann euch sagen, das ist eine Sache, die ich meinem ärgsten Feind nicht wünschen würde. In drei Monaten war ich dreimal bei der besagten Hausärztin – ohne Ergebnis. Mein „Glück“ war, dass ich dann im August 2016, wir waren gerade mit dem Wohnmobil an der Cote d´Azur unterwegs, mal wieder Streptokokken bekam, die ich als Reisesouvenir mit nach München nahm. Wieder angekommen, wollte ich bei meiner Ärztin einen Termin ausmachen, welche (Gott sei dank!!!) im Urlaub war. Dann ging alles ganz schnell, die Urlaubsvertretung hörte sich an, welche Krankheiten mich in den letzten Monaten erwischt hatten, stellte ganz gezielt Fragen, die  ich alle mit „ja“ beantworten konnte und ordnete ein Blutbild an. Tja, das war so grottenschlecht, ich musste direkt zum Hämatologen/Onkologen, der aber super relaxt war, was mich wiederum sehr stutzig machte. Wieder bekam ich Eiseninfusionen, beim Ultraschall wurde nichts gefunden und weil ich so schwach war, wollte er mit der notwendigen Magen-Darm-Spiegelung warten… Ich war jetzt auch nicht sooo scharf auf die Untersuchung, aber nachdem ich wiederholt mit wahnsinnigen Bauchschmerzen auf dem Sofa saß, habe ich einen Termin ohne Umweg über den Hämatologen ausgemacht.

Wie es weitergegangen ist, das könnt ihr euch denken. Ich bin total naiv in die Untersuchung gehupft, denn wer bitte schön, bekommt mit 40 Jahren Darmkrebs??? Ich nicht! Und, kleine Bemerkung am Rande, mein Hämatologe war sich sicher, ich habe ihn auf die Möglichkeit angesprochen, dass es sicher kein Krebs sein kann. „Nein, Frau Danso, dieses Wort nehmen wir nicht in den Mund“, neee, schon klar! Umso mehr haute mich die Diagnose, die ich im Oktober 2016 dann erhalten hatte, um. „Willkommen auf Deinem neuen Planeten“ könnte seitdem die Headline für mein Leben sein und noch heute denke ich manchmal, ey! Du bist durch die falsche Tür gegangen, das kann alles nicht wahr sein. Aber: es ist wahr und es bringt wenig zu hadern, ich muss es so nehmen, wie es ist. Und: ich nehme die Krankheit als Chance. Was ihr nicht wisst, meine leibliche Mama verstarb an Krebs als ich noch ein Baby war. Ich hatte Zeit meines Lebens Angst, diese Krankheit zu bekommen. Jetzt ist sie da und ich trete ihr kräftig in den Arsch (Entschuldigung) und bleibe hier…. .

So Mädels, warum dieser ewig lange Post? Ich will, dass wenn irgendwer, in egal welcher Situation zu euch sagt, es sei alles okay, ihr sollt entspannen, es sich für euch aber nicht richtig anfühlt, dann nehmt alle Energie zusammen und kämpft. Es ist so wichtig mit dem Bauch zu denken und sich auf seine Intuition zu verlassen. Übrigens ein Grund warum ich meine Behandlung im ersten Krankenhaus abgebrochen habe. Dazu später mal mehr… .

 

 

 

 

 

By Jasmine, Februar 28, 2017
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1 Comment
  • Liliane
    Mai 6, 2017

    Habe selten einen so gut geschriebenen und ergreifenden Erfahrungsbericht gelesen!
    Finde deinen blog echt toll und freue mich auf mehr! Apropo, hast du irgendwann mit der Hausärztin gesprochen und falls ja, was hat sie gesagt? Danke den Göttern für das Glück, dass auch Solche mal Urlaub machen, wer weiß, was sonst passiert wäre…!
    Ich werde mir deinen Tip auf jeden Fall zum Herzen nehmen und auf mein Bauchgefühl hören.

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